Lindy Hop

Lindy Hop Roots

Lindy Hop ist der bekannteste Swingtanz und der Swingtanz mit der größten Verbreitung. Er ist im schwarzen Harlem in New York Ende der 1920er Jahre entstanden und wurde die ersten 8 Jahren fast ausschließlich von schwarzen Jugendlichen getanzt.

Die direkten Wurzeln des Lindy Hop sind der Blues, der Partner Charleston und die vielen Solo Steps (Vintage Jazzsteps) der späten 1920er und frühen 1930er Jahre.

Als wichtigster Name der ersten Generation von Lindy Hop Tänzern gilt "Shorty George" George Snowden: Er fügte dem geschlossen getanzten Partner Charleston den "Breakaway" bei. Aus diesem ergab sich die typische offene Position beim Lindy Hop, bei der sich die Tänzer nur an einer Hand fassen: Diese Position gab beiden Tanzpartnern die Möglichkeit für eigene Improvisationen. Mit dieser Position gab Lindy Hop dem Paartanz Freiheit.

Um den Ursprung des Namens "Lindy Hop" ranken sich im Wesentlichen zwei Geschichten:
Die eine besagt, dass Shorty George Snowden während eines Tanzmarathons auf die Frage eines Journalisten, was er da eigentlich tanze, einfach auf die aktuelle Zeitungsschlagzeile nach der Atlantiküberquerung per Flugzeug von Charles Lindbergh zurückgriff: "Lindy hops the Atlantic". Zeitzeuge Frank Manning stützt diese Version.

Eine andere Version berichtet, Lindy Hop sei ursprünglich nur "Hop" genannt worden. Der Name "Lindy" sei erst 1927 im New Yorker Savoy Ballroom dem "Hop" hinzugefügt worden – angeblich zum Gedenken an Lindberghs Flug über den Atlantik.

Als dann mit Benny Goodman Swingmusik auch für das breite weiße Publikum zugänglich wurde, wurde ebenfalls der Swingtanz weltweit populär, allerdings unter dem Namen Jitterbug (=Zitterkäfer).
Jive, Rock 'n' Roll und Boogie lassen sich alle auf den Lindy Hop zurückführen, erreichten allerdings nicht mehr seine Ausdruckskraft.
Die bekannteste Showgruppe waren die "Whiteys Lindy Hoppers": Junge Tänzer aus dem Savoy Ballroom in Harlem, die mit ihren Shows international auf Tournee waren.

Lindy Hop war über dreißig Jahre lang der wichtigste afroamerikanische Paartanz. Es gibt bestimmte Grundfiguren und -rhythmen, an denen der Lindy Hop zu erkennen ist, aber es gibt nicht "den einen" Lindy Hop Stil. Lindy Hop wurde zu dem frühen Swing getanzt, der noch sehr dem New Orleans Jazz der 20er Jahre verbunden war, er wurde zu dem Big Band Swing der 1930er und 1940er Jahre getanzt. Er wurde auch noch zu den Vorläufern des Rock 'n' Roll, Jump Blues und Rhythm and Blues und auch zum Rock 'n' Roll selber getanzt. Aber auch zum BeBop und den folgenden Jazzstilen der 50er wurde – wenn getanzt wurde – Lindy Hop getanzt.

Da der Lindy Hop immer eine Umsetzung der Musik in Tanz ist, sieht er bei jedem Musikstück und bei jedem Tanzpaar etwas unterschiedlich aus. Dies gibt Lindy Hop seinen individuellen Charakter.

Lindy Hop heute

Ende der 50er Jahre geriet der "Lindy" langsam in Vergessenheit, bis Anfang der 80er Jahre Tänzer in den USA, Stockholm und London durch alte Filme (z.B. Marx Brothers, Day at the Races) auf den Tanz aufmerksam wurden und sich auf die Suche nach den alten Tänzern aus dem Savoy Ballroom machten.
So fand z. B. Lennart Westerlund aus Stockholm Al Minns, einen der bekanntesten Tänzer der Whitey´s Lindy Hoppers und lud ihn 1982 zu einem Workshop nach Schweden ein. Leider starb Al Minns kurze Zeit später. Aber aus dem kleinen Workshop mit etwa 30 Leuten wurde "The Herrang Dance Camp": ein jährliches, vierwöchiges Sommercamp mit über 2000 Teilnehmern aus der ganzen Welt. Herräng, ein kleines Dorf nördlich von Stockholm. "The Herrang Dance Camp" ist heute DER internationale Treffpunkt des Swingtanzes und der Ausgangspunkt sowohl für die Hamburger als auch für fast alle anderen europäischen Swingcommunitys.

Fast gleichzeitig mit Lennart Westerlund machten sich auch Erin Stevens und Steven Mitchell auf die Suche nach Tänzern aus dem Savoy. Sie fanden Frankie Manning, der sich vor allem durch seinen Tanzstil mit einer tiefen Körperhaltung und der Erfindung der ersten "Aerials" (akrobatische Hebungen und Würfe) unter den Lindy Hop Tänzern der "zweiten Generation" einen Namen machte. Frankie Manning, geboren 1914, war nahezu bis zu seinem Tod 2009 weltweit auf Workshops und Festivals unterwegs. Dank ihm, anderen professionellen Trainern und unzähligen lokalen, engagierten Organisatoren wächst die Swingszene bis heute weltweit. Durch internationale Workshops und Camps und die Vernetzungsmöglichkeiten durch das Internet findet ein ständiger Austausch statt.

Entstanden die ersten größeren Szenen in England und in Schweden, so sind es heute Länder wie z.B. Russland, Australien oder Japan, in denen innerhalb kürzester Zeit Szenen mit mehreren hundert bis tausenden von Tänzern entstanden sind.

Einer der populären europäischen Swingtanz Wochenendworkshops findet in Hamburg statt: Der Waterkant Jam der new swing generation e.V., findet jedes Jahr Ende November statt. Er wurde von Konstantin 2001 ins Leben gerufen und wird inzwischen von der gesamten Hamburger Swing Community unterstützt.